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Beweglich bleiben mit allem was ist

Der Mensch bewegt sich ständig zwischen den Polen Gesundheit und Krankheit. Die Frage, was den Menschen krank macht, ist wichtig, um Ursachen und Auswirkungen zu erkennen und zu behandeln. Ebenso wichtig ist die Frage: was erhält uns gesund? Welche Möglichkeiten haben wir zur Prävention, wie auch für Genesung und Erholung während und nach einer Krankheit?

Das Leben stellt in jedem Moment Forderungen an Körper, Seele und Geist. Manchmal fühlen wir uns überfordert. Manchmal ist es belastend, wenn wir unterfordert sind oder uns Sorgen machen. Da ist es notwendig, dass wir unsere Ressourcen kennen, uns erholen, neue Energie auftanken und «beweglich bleiben mit allem was ist».


Beweglich bleiben

© zVg

Das autonome Nervensystem

Der Körper ist ein Wunderwerk: Das autonome Nervensystem stellt sich ohne mein bewusstes Zutun     darauf ein, wenn das Gehirn beim Denken und der Körper in der Bewegung Energie benötigen. Herzschlag, Atmung, Versorgung aller Organe mit Sauerstoff und andere Körperfunktionen werden reguliert, während ich aktiv bin oder ruhe.

 

Der Energiezyklus

Im Ruhezustand sind die Muskeln entspannt, Herzschlag, Atmung, Körpertemperatur sind ausgeglichen. Für jede Tätigkeit wird die Energie bereitgestellt, die der Körper braucht. In der Aktivität wird Energie entladen und es folgt die Entspannung. In der Erholungsphase wird die restliche Energie abgebaut. Körper, Seele und Geist sind bereit für neue Tätigkeit.

Konkret

Mein Grossvater legte auf Wanderungen jeweils nach 50 Minuten eine Pause ein. So passt sich das Tempo dem Gelände an, damit der Organismus, Herzschlag und Atmung im Gleichgewicht bleiben.

Er sorgt so für den Ausgleich von Anspannung und Entspannung. Am Abend ist er angenehm müde.


Eine Berner Gemeinderätin antwortete auf die Frage, wie sie mit Belastungen im Amt umgeht und ob sie gut schlafen kann: «Ich lege am Abend alles aufs Bodetecheli (Bettvorleger) und schaue, was am Morgen noch da ist».

Sie legt die Sorgen ab und erholt sich im Schlaf. Sie hat erfahren, dass manche Probleme über Nacht kleiner werden oder sich von selbst erledigen.

Kalen Emsley, Unsplash: Pause auf einer Wanderung

Mit regelmässigen Pausen wird der Energiezyklus in Waage gehalten.

© unsplash.com

sleeping baby on white textile

© unsplash.com

Meine Enkelin, kaum ein paar Wochen alt, weiss wie sie entspannen kann. Sie liegt auf dem Bauch in meinen Armen, sie ist am Einschlafen, wird schwerer und atmet tiefer. Plötzlich zappelt sie, schüttelt Arme und Beine, wird wieder ruhig und entspannt. Das wiederholt sich ein paar Mal, bis sie eingeschlafen ist.

Ihr Körper weiss, wie er die übrig gebliebene Energie loswird und zur Ruhe kommt. Ich habe es ausprobiert: es wirkt!

Was ist Stress?

Stress ist die Anspannung, die uns befähigt, aktiv zu sein. Gefährlich wird es, wenn wir uns nicht mehr entspannen. Wenn wir uns weiter anstrengen ohne uns Ruhe zu gönnen, findet der Körper nicht in einen ausgeglichenen Zustand zurück. Energie wird aufgeladen und -entladen, Restenergie wird nicht abgebaut. Je höher sich der Zyklus von Energie aufladen und entladen steigert, umso mehr Zeit braucht der Körper zur Entspannung. Die Folgen können Schlaflosigkeit, Übermüdung, bis zu Erschöpfung und Burnout sein. Nun brauchen Körper, Seele und Geist Erholung, manchmal mit Hilfe einer Therapie.

 

Wenn Gefahr droht

Das autonome Nervensystem meldet «Alarm». Viel Energie wird mobilisiert, Herzschlag und Atmung steigern sich. Automatisch stellt sich der Körper ein auf Kampf oder Flucht. Wenn beides nicht möglich ist, erstarrt der Körper. Dabei bleibt meist viel Energie erhalten, bis ich die Situation richtig einschätzen kann. Die blockierte Energie löst sich, ich werde wieder handlungsfähig und entscheide, was zu tun und zu lassen ist. Vor allem ist wichtig, dass ich mich erhole. Eine Therapie unterstützt nach einem schweren Schock die Heilung.

Die Sprache des Körpers

«Es liegt mir etwas auf dem Magen» – das Abendessen oder ein Kummer? – «Es hängt mir zum Hals heraus» – «ich mag es nicht mehr hören» – «ich habe Schiss» – und so weiter! Der Körper sendet Signale: Jetzt brauche ich Ruhe. Frische Luft und Bewegung. Wasser und Nahrung. Distanz oder Nähe. Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen? Oder lieber zuerst die Pause und danach mit frischer Energie an die Arbeit! – Was tut mir gut?

 

Indem wir die Körpersignale wahrnehmen, lernen wir unsere Ressourcen besser nutzen. So unterstützen wir auch unsere seelische und geistige Gesundheit. Die Biodynamik setzt hier an: Was signalisiert der Körper? Wie fördern wir den Ausgleich von Anspannung und Entspannung? Wie unterstützen wir Genesung während oder nach einer Krankheit? Was erhält uns gesund? Damit wir «beweglich bleiben mit allem was ist»!


Autorin:

Sabine Högger-Maire, Biodynamik Körpertherapeutin

Präsidentin Berufsverband Biodynamik Schweiz

www.biodynamik.ch


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